Donnerstag, 29. September 2016

Den Drachen besiegen - Michaelizeit

HERBSTGEDICHT

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
Als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
Sie fallen mit verneinender Gebärde. 

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
Aus allen Sternen in die Einsamkeit. 

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt. 
Und sieh dir andre an: es ist in allen. 

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen 
Unendlich sanft in seinen Händen hält. 

Rainer Maria Rilke


Jedes Jahr im Herbst geht die Seele im Wandel der Jahreszeiten durch einen kleinen Todespunkt. So wie die Blätter fallen und die Kräfte sich nach innen begeben, so ist auch für uns Menschen die Zeit der Innenschau angebrochen. Doch bevor wir das Licht in der Advents- und Weihnachtszeit wieder neu gebären, sind unsere Seelen aufgefordert, sich mit der - sinnbildlichen - Überwindung des Drachens auseinanderzusetzen. Die Drachen in uns tragen Namen wie Ängstlichkeit oder Bequemlichkeit. Geben wir uns der Dunkelheit hin oder “ringen” wir uns zum Lichte durch? Diese Aufgabe ist jeder Seele jedes Jahr wieder gestellt und sie beginnt mit dem Tag des Michael - 29. September und endet nach 6 Wochen mit dem Martinstag am 11. November.
Erzengel Michael steht uns in dieser Zeit zur Seite und wenn wir ihn darum bitten, dann stärkt er mit seinen Energien und seinem blauen Flammenschwert unsere Willenskraft und unseren Mut.
In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern, Freunden und Klienten eine erkenntnisreiche und bewusst erlebte Michaelizeit.

SELTSAM

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein, 
Kein Baum sieht den anderen, 
Jeder ist allein. 

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt, 
Ist keiner mehr sichtbar. 

Wahrlich, keiner ist weise, 
Der nicht das Dunkel kennt, 
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt. 

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein. 
Kein Mensch kennt den andern, 
Jeder ist allein. 

Hermann Hesse